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|4 min read|Amara Winkler

Preise im Onlineshop richtig festlegen: Ein praktischer Leitfaden

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Preisgestaltung im E-Commerce

Source: Unsplash

Die Preisgestaltung ist die wichtigste Entscheidung, die du als Onlineshop-Betreiber triffst. Schon eine Preisanpassung von nur 1 % beeinflusst den Gewinn um durchschnittlich 11 %. Trotzdem legen die meisten Online-Verkäufer ihre Preise einmal fest und hinterfragen sie nie wieder. Dieser Leitfaden zeigt dir, wie du dein Pricing strategisch angehst.

Schritt 1: Kenne deine tatsächlichen Kosten

Bevor du einen Preis festlegst, musst du die vollständigen Produktkosten kennen. Die meisten Verkäufer übersehen versteckte Kosten: Direkte Kosten (pro Stück):
  • Einkaufspreis / Herstellungskosten
  • Versand zum Lager
  • Verpackung
  • Plattformgebühren (z. B. Amazon 7–15 %, Shopify 2,9 %)
  • Zahlungsabwicklung
  • Retouren (berechne deine durchschnittliche Retourenquote)
Indirekte Kosten (monatlich, pro Stück):
  • Plattform-Abonnement
  • Marketing (Ausgaben / verkaufte Einheiten)
  • Lagerhaltung
  • Kundenservice
Beispiel:
Einkaufspreis: 40,00 € Versand: 5,00 € Verpackung: 3,00 € Plattformgebühr (10%): 10,00 € (bei 100 € Verkaufspreis) Retouren (8%): 4,00 €
Tatsächliche Kosten: 62,00 €
Wenn du für 100 € verkaufst, liegt deine reale Marge bei 38 € (38 %) – nicht bei 60 €. Hier ist eine typische Kostenaufstellung für ein E-Commerce-Produkt:
KostenkomponenteBetrag% vom Verkaufspreis
Einkaufspreis40,00 €40 %
Versand zum Lager5,00 €5 %
Verpackung3,00 €3 %
Plattformgebühr (10 %)10,00 €10 %
Retouren (8 %)4,00 €4 %
Gesamtkosten62,00 €62 %
Gewinnmarge38,00 €38 %
Kostenaufschlüsselung
Berechne deine tatsächliche Marge in Sekunden mit dem Gewinnmargenrechner.

Schritt 2: Lege drei Preispunkte fest

Jedes Produkt braucht drei Preise:
  • Absolutes Minimum – deine vollständigen Kosten. Geh niemals darunter
  • Break-even-Punkt – Kosten + Anteil an den Fixkosten
  • Zielpreis – Break-even + gewünschte Marge
  • Taschenrechner und Finanzplanung

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    Schritt 3: Wähle eine Preisstrategie

    Preisstrategie-Pyramide
    Die folgende Tabelle vergleicht die vier gängigsten Preisstrategien, damit du die passende für dein Geschäft findest:
    StrategieFunktionsweiseAm besten geeignet fürRisikoniveau
    Kosten + AufschlagFester Aufschlag auf KostenEinsteiger, stabile MärkteNiedrig
    WettbewerbsorientiertPreis relativ zur KonkurrenzUmkämpfte MärkteMittel
    PsychologischNutzt Wahrnehmung (z. B. 9,99 €)Konsumgüter, B2CNiedrig
    DynamischAnpassung nach Nachfrage/SaisonMode, Reisen, SaisonwareHoch

    Strategie 1: Kosten plus Aufschlag

    Die einfachste Methode: Du addierst einen festen Aufschlag auf deine Kosten. Beispiel zur Aufschlagberechnung:
    Tatsächliche Produktkosten: 62,00 € Gewünschte Marge: 40 % Verkaufspreis = Kosten / (1 − Marge) Verkaufspreis = 62 / (1 − 0,40) = 62 / 0,60 = 103,33 € → 99,99 € Bei 99,99 €: Marge: 99,99 − 62 = 37,99 € (38 %)
    Nutze den Aufschlagrechner, um schnell den Preis zu ermitteln, der dir die gewünschte Marge bringt. Typische Aufschläge im deutschen E-Commerce:
    • Elektronik: 15–30 %
    • Bekleidung: 100–300 %
    • Kosmetik: 50–150 %
    • Handgemachte Produkte: 200–400 %

    Strategie 2: Wettbewerbsorientierte Preise

    Lege deine Preise im Verhältnis zur Konkurrenz fest:
    • Preisführer: 5–15 % unter dem Marktdurchschnitt
    • Marktniveau: innerhalb von 3 % des Durchschnitts
    • Premium: 10–30 % über dem Durchschnitt
    Voraussetzung: Systematische Überwachung der Wettbewerbspreise.

    Strategie 3: Psychologische Preise

    Preispsychologie im E-Commerce

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    • Schwellenpreise: 49,99 € statt 50 € – funktioniert immer noch
    • Streichpreise: Zeige den Originalpreis neben dem aktuellen Preis
    • Bundles: „3 Stück für 120 €" (statt 3×45 € = 135 €)
    • Kostenloser Versand ab Betrag: Setze die Schwelle 20–30 % über dem durchschnittlichen Warenkorbwert

    Strategie 4: Dynamische Preise

    Passe Preise an basierend auf:
    • Saison (höher in der Hauptsaison, niedriger außerhalb)
    • Lagerbestand (letzte Stücke = höherer Preis)
    • Wochentag (Wochenende vs. Werktage)

    Schritt 4: Überwachen und anpassen

    Den Preis festzulegen ist nur der Anfang. Behalte im Blick:
    • Conversion Rate – sinkt nach einer Preiserhöhung? Ein klares Signal
    • Bruttomarge – steigt? Deine Strategie funktioniert
    • Wettbewerbspreise – ändern sich? Reagiere bewusst
    • Warenkorbwert – steigt bei Bundles?
    Beispiel: Break-even-Berechnung:
    Fixe Monatskosten: 2.000 € (Miete, Tools, Abonnements) Variable Kosten pro Stück: 62,00 € Verkaufspreis pro Stück: 99,99 € Deckungsbeitrag = 99,99 − 62,00 = 37,99 € Break-even = 2.000 / 37,99 = 53 Stück/Monat Du musst mindestens 53 Stück pro Monat verkaufen, um alle Kosten zu decken.

    Die 5 häufigsten Preisfehler

  • Konkurrenzpreise kopieren, ohne die eigenen Kosten zu kennen. Dein Wettbewerber hat möglicherweise niedrigere Kosten
  • Auf jede Preisänderung reagieren. Nicht jede Preissenkung erfordert eine Antwort
  • Keine Strategie – nur Bauchgefühl. Daten schlagen Intuition
  • Den wahrgenommenen Wert ignorieren. Ein niedriger Preis kann niedrige Qualität signalisieren
  • Preise ändern ohne Kommunikation. Wenn du Preise erhöhst, begründe es gegenüber deinen Kunden
  • Fazit

    Preisgestaltung ist keine einmalige Entscheidung – es ist ein fortlaufender Prozess. Beginne damit, deine tatsächlichen Kosten zu verstehen, wähle eine Strategie, die zu deinem Markt passt, und überprüfe deine Preise regelmäßig anhand von Daten. Das Wichtigste: Hör auf, den Preis als feste Größe zu betrachten. Er ist dein stärkster Hebel für mehr Gewinn.

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