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|10 min read|Verena Merklinghaus

Google Shopping Preisvergleich: So nutzt du ihn für deine Preisstrategie

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Google Shopping Preisvergleich auf dem Bildschirm

Source: Unsplash

85 % aller Kaufentscheidungen im E-Commerce beginnen mit einer Google-Suche. Und wenn dein potenzieller Kunde nach einem Produkt sucht, zeigt Google Shopping die Preise deiner Konkurrenten direkt neben deinem Angebot. Noch bevor jemand deinen Shop besucht, hat er bereits verglichen. Die Frage ist nicht, ob deine Kunden Google Shopping als Preisvergleich nutzen. Die Frage ist: Tust du es auch? Google Shopping ist mehr als ein Werbekanal. Es ist eine der zugaenglichsten Quellen fuer Marktpreisdaten, die dir als Shop-Betreiber zur Verfuegung stehen. Wer diese Daten systematisch nutzt, kann seine Preispositionierung gezielt steuern, statt blind Preise festzulegen.

Wie Google Shopping als Preisvergleich funktioniert

Google Shopping aggregiert Produktdaten aus dem Merchant Center von Tausenden von Haendlern. Wenn ein Nutzer nach einem Produkt sucht, zeigt Google eine Reihe von Angeboten mit Bild, Preis, Shop-Name und Versandkosten. Das ist im Grunde ein oeffentlich zugaenglicher Preisvergleich -- kostenlos und in Echtzeit. Fuer deine Preisstrategie sind drei Aspekte besonders wertvoll:
  • Preisspanne: Du siehst sofort, in welchem Bereich sich der Markt bewegt -- vom guenstigsten bis zum teuersten Anbieter.
  • Angebotstiefe: Wie viele Haendler bieten das gleiche Produkt an? Je mehr Anbieter, desto preissensitiver ist der Markt.
  • Versandkosten: Google zeigt oft die Gesamtkosten inkl. Versand. Das ist entscheidend, weil ein vermeintlich guenstigerer Preis mit hohen Versandkosten schnell unattraktiv wird.
  • Der entscheidende Vorteil gegenueber Plattformen wie Idealo oder billiger.de: Google Shopping deckt auch kleinere Nischen-Shops ab, die auf klassischen Preisvergleichsportalen nicht gelistet sind. Du bekommst ein breiteres Bild des Marktes.

    Schritt fuer Schritt: Google Shopping fuer die Marktanalyse nutzen

    Schritt 1: Kernprodukte identifizieren

    Starte nicht mit deinem gesamten Sortiment. Waehle die 10 bis 20 Produkte, die den groessten Anteil an deinem Umsatz haben. Das sind die Produkte, bei denen eine falsche Preispositionierung am meisten Geld kostet.

    Schritt 2: Systematisch nach jedem Produkt suchen

    Oeffne Google Shopping (shopping.google.de) und suche nach der exakten Produktbezeichnung -- idealerweise mit EAN oder Herstellerartikelnummer. So findest du exakte Treffer statt aehnlicher Produkte. Notiere fuer jeden Treffer:
    • Shop-Name
    • Produktpreis
    • Versandkosten
    • Gesamtpreis (Produkt + Versand)
    • Besonderheiten (z.B. "Sofort lieferbar", Gutschein-Hinweis)

    Schritt 3: Preisdaten strukturieren

    Trage die Daten in eine Tabelle ein und berechne Durchschnitt, Median, Minimum und Maximum. Der Median ist oft aussagekraeftiger als der Durchschnitt, weil er von einzelnen Ausreissern weniger verzerrt wird.

    Schritt 4: Deine Position bestimmen

    Vergleiche deinen aktuellen Preis mit dem Markt. Wo stehst du? Bist du im unteren Drittel, im Mittelfeld oder im oberen Segment? Diese Position sollte zu deiner Markenstrategie passen.
    Preisanalyse und Datenauswertung am Arbeitsplatz

    Source: Unsplash

    Schritt 5: Preisstrategie ableiten

    Auf Basis der Daten triffst du fundierte Entscheidungen: Preis halten, senken, erhoehen oder mit Zusatzleistungen (kostenloser Versand, Bundles) differenzieren.
    Analyse-Dashboard auf einem Computerbildschirm

    Source: Unsplash

    Google Shopping vs. dedizierte Tools: Was liefert was?

    Nicht alles, was du fuer eine solide Preisstrategie brauchst, findest du bei Google Shopping. Hier ein ehrlicher Vergleich:
    KriteriumGoogle ShoppingDedizierte Preistools
    KostenKostenlosKostenlos bis kostenpflichtig
    AbdeckungNur Haendler im Merchant CenterJeder Online-Shop mit oeffentlichen Preisen
    AktualisierungEchtzeit (bei Suche)Je nach Tool: stuendlich bis taeglich
    Historische DatenKeine -- nur MomentaufnahmePreisverlaeufe ueber Wochen/Monate
    AutomatisierungKeine -- manuelle SucheAutomatische Benachrichtigungen bei Aenderungen
    VersandkostenOft sichtbarAbhaengig vom Tool
    SortimentsbreiteMuehsam bei vielen ProduktenSkalierbar auf Hunderte Produkte
    AlertingNicht vorhandenPush/E-Mail bei Preisaenderungen
    Die Erkenntnis: Google Shopping ist ideal fuer einen ersten Marktueberblick und fuer Stichproben. Fuer eine systematische, laufende Preisueberwachung fehlen ihm historische Daten und Automatisierung. Die beste Strategie kombiniert beides: Google Shopping fuer die initiale Analyse, automatisierte Tools fuer die laufende Ueberwachung.

    CPC und ROAS fuer Google Shopping berechnen

    Bevor du Preise auf Basis von Google Shopping Daten anpasst, solltest du die Werbekosten verstehen. So berechnest du die Effizienz deiner Kosten pro Klick (CPC) und den Return on Ad Spend (ROAS) fuer verschiedene Preispunkte:
    Google Shopping CPC- & ROAS-Rechner ===================================== Produkt: Bluetooth-Headset Aktueller CPC: 0,45 EUR Tagesbudget: 30,00 EUR Taegliche Klicks: 30,00 / 0,45 = 67 Klicks Bei Preis 79,99 EUR (ueber Markt): Conversion-Rate: 1,2 % Taegliche Verkaeufe: 67 x 0,012 = 0,8 Tagesumsatz: 0,8 x 79,99 = 63,99 EUR ROAS: 63,99 / 30,00 = 2,13x Kosten pro Akquisition (CPA): 0,45 / 0,012 = 37,50 EUR Bei Preis 69,99 EUR (Marktniveau): Conversion-Rate: 2,1 % Taegliche Verkaeufe: 67 x 0,021 = 1,4 Tagesumsatz: 1,4 x 69,99 = 97,99 EUR ROAS: 97,99 / 30,00 = 3,27x Kosten pro Akquisition (CPA): 0,45 / 0,021 = 21,43 EUR Verbesserung: +53 % ROAS durch Anpassung an den Marktpreis

    Preiswettbewerbsfaehigkeits-Score

    Nutze diese Formel, um zu quantifizieren, wie wettbewerbsfaehig deine Preise im gesamten Sortiment sind. Ein Score von 100 bedeutet, dass du exakt dem Marktmedian entsprichst:
    Preiswettbewerbsfaehigkeits-Score (PWS) ======================================== Formel: PWS = (Markt-Median / Dein Preis) x 100 Beispielberechnungen: Produkt A: Median 67,50 EUR, Dein Preis 79,99 EUR PWS = (67,50 / 79,99) x 100 = 84,4 → Zu teuer Produkt B: Median 32,00 EUR, Dein Preis 24,99 EUR PWS = (32,00 / 24,99) x 100 = 128,1 → Zu guenstig Produkt C: Median 45,00 EUR, Dein Preis 44,50 EUR PWS = (45,00 / 44,50) x 100 = 101,1 → Wettbewerbsfaehig Bewertungsbereiche: Unter 90: Deutlich zu teuer — Risiko von Umsatzverlusten 90 - 97: Leicht ueber Markt — mit Mehrwert rechtfertigen 97 - 103: Wettbewerbsfaehiger Sweet Spot 103 - 110: Leicht unter Markt — Margenpotenzial Ueber 110: Deutlich unter Markt — Geld wird verschenkt
    Google Shopping Conversion-Raten

    Google Shopping Gebotsstrategie-Vergleich

    StrategieGeeignet fuerDurchschn. CPCKontrollgradROAS-Potenzial
    Manueller CPCKleine Sortimente (<50 Produkte)0,30-0,80 EURHochMittel
    Auto-optimierter CPCLernphase, neue Kampagnen0,35-0,90 EURMittelMittel-Hoch
    Ziel-ROASEtablierte Produkte mit Daten0,25-1,20 EURNiedrigHoch
    Klicks maximierenMarktforschung, Traffic-Fokus0,20-0,60 EURNiedrigNiedrig
    Conversions maximierenBewaehrte Produkte, Skalierung0,40-1,50 EURNiedrigHoch
    Auswirkung der Preisposition auf Klicks

    Preisanpassungen auf Basis von Google Shopping Daten

    Sobald du die Marktdaten hast, wird es konkret. Hier sind zwei typische Szenarien mit Rechenbeispielen:

    Szenario 1: Du bist deutlich ueber dem Marktdurchschnitt

    Du verkaufst ein Bluetooth-Headset fuer 79,99 Euro. Google Shopping zeigt dir, dass die meisten Wettbewerber zwischen 59 und 69 Euro liegen. Dein Preis ist 18 % ueber dem Median.
    Ist-Zustand: Dein Preis: 79,99 EUR Markt-Median: 67,50 EUR Dein Einkaufspreis: 38,00 EUR Deine aktuelle Marge: 79,99 - 38,00 = 41,99 EUR (52,5 %) Conversion-Rate bei 79,99 EUR: 1,2 % Besucher pro Monat: 3.000 Verkaeufe pro Monat: 36 Option A -- Preis auf Marktniveau senken (69,99 EUR): Neue Marge pro Stueck: 69,99 - 38,00 = 31,99 EUR (45,7 %) Erwartete Conversion-Rate: 2,1 % (erfahrungsgemaess +70-80 % bei wettbewerbsfaehigem Preis) Erwartete Verkaeufe: 3.000 x 0,021 = 63 Gewinn vorher: 36 x 41,99 = 1.511,64 EUR Gewinn nachher: 63 x 31,99 = 2.015,37 EUR Mehr Gewinn pro Monat: +503,73 EUR (+33 %)
    Weniger Marge pro Stueck, aber deutlich mehr Gewinn insgesamt. Nutze den Preisvergleich-Rechner, um dieses Szenario mit deinen eigenen Zahlen durchzurechnen.

    Szenario 2: Du verschenkst Marge, weil du zu guenstig bist

    Du verkaufst eine Yoga-Matte fuer 24,99 Euro. Auf Google Shopping liegt der Marktdurchschnitt bei 32 Euro. Du bist 22 % unter dem Median -- und es gibt keinen strategischen Grund dafuer.
    Ist-Zustand: Dein Preis: 24,99 EUR Markt-Median: 32,00 EUR Dein Einkaufspreis: 11,50 EUR Versandkosten (traegst du): 4,90 EUR Deine Gesamtkosten pro Stueck: 11,50 + 4,90 = 16,40 EUR Dein Gewinn pro Stueck: 24,99 - 16,40 = 8,59 EUR Verkaeufe pro Monat: 210 Option B -- Preis auf 29,99 EUR erhoehen (immer noch unter Median): Neuer Gewinn pro Stueck: 29,99 - 16,40 = 13,59 EUR Erwarteter Rueckgang Verkaeufe: -8 % (Preis bleibt unter Markt) Erwartete Verkaeufe: 210 x 0,92 = 193 Gewinn vorher: 210 x 8,59 = 1.803,90 EUR Gewinn nachher: 193 x 13,59 = 2.622,87 EUR Mehr Gewinn pro Monat: +818,97 EUR (+45 %) Berechne die tatsaechliche Marge nach MwSt.: Nettobetrag bei 29,99 EUR (19 % MwSt.): 29,99 / 1,19 = 25,20 EUR Netto-Marge: 25,20 - 16,40 = 8,80 EUR (34,9 %)
    Vergiss nicht, die Mehrwertsteuer in deine Kalkulation einzubeziehen. Der MwSt.-Rechner hilft dir, Netto- und Bruttowerte schnell umzurechnen. In beiden Szenarien zeigt sich: Ohne Marktdaten triffst du Preisentscheidungen im Blindflug. Google Shopping liefert dir diese Daten -- kostenlos und sofort.

    Preispositionierung: Nicht immer ist der niedrigste Preis der beste

    Ein haeufiger Fehler: Shop-Betreiber sehen auf Google Shopping, dass ein Konkurrent guenstiger ist, und senken reflexartig den Preis. Das fuehrt in einen Preiskampf, den am Ende niemand gewinnt. Stattdessen solltest du deine Preispositionierung bewusst waehlen:
    • Preisfuehrer (unterstes Drittel): Funktioniert nur bei niedrigen Betriebskosten und hohem Volumen. Fuer kleine Shops selten nachhaltig.
    • Mittelfeld (innerhalb von 5 % des Median): Signalisiert Wettbewerbsfaehigkeit, ohne in den Preiskampf zu gehen. Die sicherste Position fuer die meisten Online-Shops.
    • Premium (oberstes Drittel): Erfordert klare Differenzierung -- besserer Service, exklusive Produkte, starke Marke. Wenn du das liefern kannst, ist diese Position die profitabelste.
    Die Daten aus Google Shopping helfen dir, diese Entscheidung faktenbasiert zu treffen, statt aus dem Bauchgefuehl heraus.

    Fuenf typische Fehler beim Google Shopping Preisvergleich

    1. Aepfel mit Birnen vergleichen

    Nicht jeder Treffer auf Google Shopping ist wirklich vergleichbar. Achte auf: gleiche Produktvariante (Farbe, Groesse), gleicher Zustand (neu vs. B-Ware), gleicher Lieferumfang. Ein vermeintlich guenstigerer Preis kann sich als Angebot ohne Zubehoer entpuppen.

    2. Versandkosten ignorieren

    Ein Konkurrent zeigt 49,99 Euro fuer ein Produkt, das du fuer 54,99 Euro mit kostenlosem Versand anbietest. Er berechnet aber 6,90 Euro Versand -- sein Gesamtpreis ist also 56,89 Euro. Du bist guenstiger, nicht er. Immer den Gesamtpreis vergleichen.

    3. Einmal schauen und vergessen

    Google Shopping zeigt dir eine Momentaufnahme. Preise aendern sich -- manchmal taeglich. Eine einmalige Analyse reicht nicht. Plane regelmaessige Checks ein, mindestens alle zwei Wochen fuer deine Kernprodukte.

    4. Alle Konkurrenten gleich behandeln

    Nicht jeder Anbieter auf Google Shopping ist ein relevanter Wettbewerber. Grosshaendler mit Dumping-Preisen, Marketplace-Verkaeufer mit fragwuerdiger Qualitaet oder Shops aus anderen Laendern mit anderen Kostenstrukturen verzerren das Bild. Filtere bewusst.

    5. Nur den Preis sehen, nicht die Strategie dahinter

    Wenn ein Konkurrent ploetzlich 30 % unter dem Marktpreis liegt, kann das bedeuten: Ausverkauf, Lagerraeumung, Fehlkalkulation oder ein Lock-Angebot. Reagiere nicht sofort mit einer Preissenkung. Beobachte erst, ob der Preis dauerhaft bleibt.

    Produktkategorie-Leistungsbenchmarks

    KategorieDurchschn. CPCDurchschn. Conversion-RateDurchschn. ROASPreissensitivitaet
    Elektronik0,55 EUR1,8 %4,2xHoch
    Bekleidung & Mode0,38 EUR2,3 %3,8xMittel
    Haus & Garten0,42 EUR2,1 %4,5xMittel
    Gesundheit & Schoenheit0,35 EUR3,1 %5,1xNiedrig
    Sport & Outdoor0,48 EUR1,9 %3,6xMittel-Hoch
    Spielzeug & Spiele0,32 EUR2,7 %4,8xSaisonal
    Tierbedarf0,29 EUR3,4 %5,5xNiedrig
    Buerobedarf0,25 EUR2,8 %4,1xHoch

    Fazit: Google Shopping ist der Startpunkt, nicht das Ziel

    Google Shopping ist ein maaechtiges, kostenloses Werkzeug fuer den Preisvergleich im Online-Shop. Es zeigt dir in Sekunden, wo du im Markt stehst, wer deine Konkurrenten sind und welche Preisspanne der Markt akzeptiert. Fuer den Einstieg in die datengetriebene Preisgestaltung ist das enorm wertvoll. Du brauchst kein teures Tool, um zu verstehen, ob du zu teuer oder zu guenstig bist. Google Shopping reicht fuer die erste Analyse. Die Grenzen zeigen sich, wenn du es systematisch machen willst: keine historischen Preisverlaeufe, keine Benachrichtigungen, keine Automatisierung. Wer mehr als eine Handvoll Produkte ueberwacht, wird frueher oder spaeter auf spezialisierte Preismonitoring-Tools umsteigen muessen. Der wichtigste Schritt ist aber der erste: Hoer auf, Preise aus dem Bauchgefuehl zu setzen. Oeffne Google Shopping, suche nach deinen Top-Produkten und schau dir an, was der Markt sagt. Die Ergebnisse werden dich ueberraschen. Berechne mit dem Margen-Rechner, wie sich verschiedene Preispunkte auf deinen Gewinn auswirken -- und triff ab heute Preisentscheidungen auf Basis von Daten, nicht Vermutungen.

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